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Friedensförderung durch Brücken der Verständigung
Peace Building through Bridges of Communication

 

 

 

Medienhilfe-Info 2002-1: Edito

Zehn Jahre Medienhilfe Ex-Jugoslawien

Engagement aus Solidarität

Mehr als zehn Jahre ist es her, dass der wirtschaftliche, soziale und politische Zerfall des damaligen Jugoslawiens in eine Reihe von Nachfolgekriegen eskalierte. Ab Sommer 1991 war Krieg wieder Realität in Europa – und Kriegsbilder gehörten zum Alltag auf den Bildschirmen. Nachdem in Kroatien mit einem Waffenstillstand der Abzug der jugoslawischen Armee durchgesetzt worden war, begann im Sommer 1992 der Krieg in Bosnien-Herzegowina zu wüten. Sarajewo wurde zum Symbol dieses Krieges, in dem Hunderttausende Menschen ermordet, gefoltert, vertrieben, gedemütigt und um ihre Lebensperspektiven gebracht wurden.

Die Bilder des Krieges und seiner Opfer bewegten auch die Schweiz. In Zürich fanden sich Medienschaffende und politisch Engagierte zusammen, um nach ihren Möglichkeiten zu suchen, der Kriegspropaganda aller Seiten etwas entgegenzusetzen. Als Medienschaffende suchten sie nach Quellen und Partnern, wollten wissen, auf wen man sich verlassen und mit wem man zusammenarbeiten konnte. Aus ersten beruflichen Kontakten und einer ersten Veranstaltung entstand eine Initiative, die sich später als Verein konstituierte und die inzwischen zu einer Organisation mit zehn Jahren Erfahrung gewachsen ist. Aus dem Austausch zwischen Medienschaffenden, denen ihre Professionalität wichtiger war als ethnische Zugehörigkeit, en-stand ein Netzwerk, das konkrete und materielle Hilfestellung bietet. Aus Betroffenheit entstand Verbindlichkeit, aus Improvisation entwickelte sich Professionalität. 

Viel hat sich geändert in den zehn Jahren Medienhilfe. Aktive Mitglieder sind gegangen, andere sind gekommen, Medienprojekte sind verschwunden, andere haben sich erfolgreich durchgesetzt, aus krisenorientierter Nothilfe für Medien entstand längerfristig angelegte Medienzusammenarbeit, von Kroatien und Bosnien-Herzegowina verschob sich der Arbeitsschwerpunkt immer mehr Richtung Süden nach Serbien, Kosov@, Mazedonien. Die Medienhilfe Ex-Jugoslawien entstand nicht als Arbeitsbereich eines grossen Hilfswerks, wie die meisten Organisationen, die sich in Südosteuropa im Medienbereich engagieren. Aus der Initiative von Medienschaffenden in Zürich erwuchs langsam eine professionalisierte Kooperation mit dem Bund und mit internationalen Organisationen. Heute ist die Medienhilfe anerkannte Partnerin in der internationalen Zusammenarbeit, zum Beispiel als Mitglied der Media Task Force des Stabilitätspaktes für Südosteuropa. Diese Entwicklung war nur möglich, weil sich über zehn Jahre hinweg Dutzende von Leuten freiwillig und unbezahlt für die Medienhilfe eingesetzt haben, weil Hunderte und Tausende von Menschen Interesse bekundet und Geld gespendet haben. Ihnen allen sei hier gedankt für die Solidarität mit den unabhängigen Medien und ihrem Kampf gegen Nationalismus und Ethnochauvinismus. 

Auch in Südosteuropa selbst hat sich viel verändert in diesen zehn Jahren. Die Herausforderungen für die Medien sind heute andere – und damit auch der Bedarf nach Unterstützung. Bei allen Veränderungen ist aber eines gleich geblieben: Die Arbeit der Medienhilfe Ex-Jugoslawien ist nur möglich, weil sie mit hohem Engagement weit über das bezahlbare Mass hinaus geleistet wird. Die unabhängigen Medien im ehemaligen Jugoslawien haben bewiesen, dass sie dieses Engagement verdienen. Wir werden weiterhin versuchen, ihr Vertrauen in unsere Arbeit nicht zu enttäuschen.

Roland Brunner

* Zum zehnjährigen Jubiläum der Medienhilfe Ex-Jugoslawien sind verschiedene Veranstaltungen geplant (siehe Seite 3). Die Zeitschrift FriedensZeitung FriZ hat in Ausgabe 2002/1 ein Interview mit Nena Skopljanac und Roland Brunner veröffentlicht. Das ausführliche Interview findet sich unter www.medienhilfe.ch.

source: Medienhilfe
published by: Roland Brunner rbr@medienhilfe.ch date of release on this site (DD/MM/YY): 8/3/2002

 

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