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St. Galler Tagblatt vom 20.4.2002, Medien
Fakten statt Lügen
«Medienhilfe Ex-Jugoslawien»: 10 Jahre im Dienst der freien PresseIm Lauf der Jahre hat sich die Medienhilfe zu einer anerkannten Kraft auf dem Balkan entwickelt.Georg FaragoDa war zunächst die Podiumsdiskussion: Am 18. Dezember 1992, der Krieg wütete in Bosnien, diskutierten in Zürich Journalisten aus der Schweiz, aus Zagreb und Belgrad, wie auf dem Balkan die staatliche Hasspropaganda durch Information ersetzt werden könnte. Der erste Schritt zur Tat war die Suche nach glaubwürdigen Medien-Partnern in den Nachfolgerepubliken Jugoslawiens. Drei Phasen
In den fast zehn Jahren ihres Bestehens hat sich die «Medienhilfe
Ex-Jugoslawien» von einem Amateurverein zur professionell arbeitenden
Nichtregierungsorganisation (NGO) mit rund einem Dutzend aktiver Mitarbeiter
entwickelt. Roland Brunner, der Leiter der Medienhilfe, unterscheidet drei
Phasen: «Im Krieg mussten wir den freien Medien kurzfristige Soforthilfe
leisten. Danach folgten die politische Auseinandersetzung mit den Regimen in
Kroatien und Serbien und der Kampf um die Pressefreiheit. Jetzt engagieren wir
uns im gesellschaftlichen Wiederaufbau für eine unabhängige und professionelle
Medienlandschaft.» «Herrn gewechselt»
An einer Veranstaltung in Zürich zum zehnjährigen Bestehen konnten letzte
Woche zwei «Veteranen» der freien Medien Jugoslawiens die Schwierigkeiten
umreissen, mit denen sie heute noch kämpfen: Veran Matic, Mitbegründer des von
Slobodan Milosevic vier Mal geschlossenen Radios B92 aus Belgrad. Und Veton
Surroi, Chefredaktor der Tageszeitung Koha Ditore in Kosovo. «Absurderweise
sind es die kleinen Privatmedien, die bei uns den Service Public sicherstellen»,
erklärt Veran Matic. Denn nach wie vor seien die staatlichen Medien in
Regierungshand. «Die Staatsjournalisten haben einfach ihren Herrn ausgetauscht.»
Und ein griffiges Mediengesetz gebe es in Serbien noch nicht. Aus dem durch die
Medienhilfe vermittelten Austausch zwischen unabhängigen Journalisten aller
Ethnien ist im Lauf der Jahre ein Netzwerk entstanden, das die neuen Grenzen auf
dem Balkan überspannt. Partner der Medienhilfe ist unter anderen das
Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA): Deren Direktion für
Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) und die Politische Abteilung IV unterstützen
derzeit in Serbien und Kosovo unabhängige Radio- und TV-Unternehmen, die freie
Nachrichtenagentur Beta und Minderheitsprogramme. Vorteile im internationalen
Umfeld haben NGOs aus Schweden, der Niederlande und den USA, die von
Rahmenkrediten ihrer Staaten profitieren. Die schweizerische Medienhilfe muss
dagegen Projekte beim EDA einzeln durchbringen, sagt Brunner. Dafür sind die
Schweizer laut Brunner ein «relativ kleiner, aber starker Partner», der sein
in langen Jahren erworbenes Sachwissen ausspielt. Dass die Medienhilfe in
Mazedonien den Koordinator des International Media Fund stellen konnte, weist
darauf hin, dass sie als Partner anerkannt ist. Und auch Veran Matic bestätigt,
dass kaum eine andere Hilfsorganisation auf dem Balkan über bessere Kontakte
und tieferes Sachwissen verfüge als die Medienhilfe Ex-Jugoslawien aus der
Schweiz. Tagblatt-Online Archiv © by St. Galler Tagblatt AG source: St. Galler Tagblatt
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